Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies. Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Spirituelles

  • Wort der Woche
  • Weihnachtspredigt
  • Predigt zur Jahreswende

4. Sonntag im Jahreskreis, 29. Januar

Mathhäus 5, 1-3
1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:3 Selig, ...

Kann man mit der Bergpredigt Politik machen? Um diese Beantwortung dieser Frage wird immer noch gestritten und gerungen. Die einen sind der Überzeugung, in den Worten der Seligpreisungen werden genau die Themen genannt, die zwischen Menschen, in einer Gesellschaft und zwischen Völkern Weisungen geben, die das Zusammenleben menschlicher, friedvoller und gerechter machen können. Die anderen kritisieren angesichts dessen, dass es auf der Welt oft gerade nicht so zugeht, wie die Seligpreisungen es verheißen, dass politisches Handeln sich doch eher an handfesten Realitäten orientieren sollte und nicht an rosaroten Bildern. Wer hat denn nun Recht? Bringt diese Unterscheidung wirklich weiter? Vielleicht liegt die Bedeutung der Seligpreisungen für uns heute darin: Jesus spricht seinenZuspruch zu Menschen, die sehr wohl etwas mit den Fragen nach Verfolgung, Schmähung, Frieden, Gerechtigkeit, und Trost anfangen können, weil sie häufig das Gegenteil erleben, weil ihr Leben bedroht ist und ihnen die Würde genommen wird. Jesus vertröstet nicht, er erinnert daran, dass Gott dafür einsteht, dass sie nicht umsonst hoffen.  

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist Weihnachten geworden – Gott wird Mensch – und nicht umgekehrt. Diese frohe Botschaft gemäß dem Evangelisten Lukas haben wir soeben wieder gehört. Jedes Jahr feiern wir dieses Fest der Liebe, der Freude und des Friedens. Es ist kein Geburtsfest wie jedes andere, sondern die Kirche will uns an diesem Abend, in dieser Nacht, auch an diesem Weihnachtsfest 2022 wieder tiefer daran erinnern: Gott ist Mensch geworden – Mensch für Dich und für mich. ER, der Unendliche, hat Fleisch angenommen. ER, der Allmächtige, ist klein geworden: ein schwaches Kind, das auf die Liebe seiner Mutter und seines Vaters, auf die Liebe seiner Eltern angewiesen ist. So weit geht Gott in seiner Entäußerung: Aus der Herrlichkeit des Himmels steigt er hernieder in die Armseligkeit unserer Menschennatur. Oder wie es in einem Lied aus dem 16. Jahrhundert von Nikolaus Herman ausgedrückt ist und das auch in unserem Gotteslob steht: „Entäußerst sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.“ (GL 247)

Jedes Jahr stehen wir also von neuem staunend vor diesem Geheimnis. Manche können es nicht glauben oder wollen es nicht glauben. Für sie ist das alles Unsinn, nicht nachvollziehbar. Doch Weihnachten, so sagte Papst Franziskus einmal, ist nur mit Jesus möglich; ansonsten ist es leer. Unsagbare Freude erfasst aber all jene, die offen sind für diese Botschaft, so wie es die Hirten waren. Daraus ersehen und erfahren wir: ER, unser Gott, verlässt den Menschen nicht, lässt ihn nicht im Stich, auch dann nicht, nachdem dieser durch die Sünde seinem Schöpfer untreu geworden ist. Gott kommt zu uns, ja, er wird einer von uns. So nimmt er die ganze Last unserer Sünde, unseres gebrochenen Menschseins auf sich. Hier in der Krippe beginnt Gott in seinem Sohn Jesus seinen Weg der erlösenden Liebe. Und an Ostern findet dieser Weg in seinem Kreuzestod und in seiner Auferstehung seine Vollendung. Daher können Weihnachten und Ostern, können Geburt, Kreuz und Auferstehung nicht voneinander getrennt werden.

Doch lassen wir uns von dieser Liebe, von diesem Erlösungsgeschenk Gottes treffen, liebe Schwestern und Brüder? Stellen wir uns der Forderung dieser Mitteilung seiner Liebe? Haben wir den Mut, hineinzugehen in das wahre Menschwerden? Oder lullen wir uns lieber für eine kurze Zeit nur ein in die lieblichen Lieder, in das drum herum dieser Nacht, in Sentimentalitäten, bleiben also beim Äußeren hängen, ohne zum Kern zu gelangen um ja nicht aus unseren gewohnten Bahnen geworfen zu werden? Wenn dem so wäre, dann hätte Guildo Horn recht, der vor ein paar Wochen in einem Artikel im TV folgenden Satz losließ: „Weihnachten ist eine der schönsten Drogen der Jetztzeit.“

Aber, liebe Mitchristen, Weihnachten ist mehr als eine Droge; deren Wirkung lässt nach einer gewissen Zeit nach. Weihnachten will uns treffen in unserem Inneren durch die Liebe dieses Kindes. Lassen wir uns doch von dieser Liebe treffen! Stellen wir uns doch der Forderung dieser Mitteilung seiner Liebe! Gehen wir doch hinein in das wahre Menschwerden! Dann können wir sicherlich auch ein wenig wahrer dieses Fest der Liebe feiern, denn es ist persönlicher Anspruch an uns. Und Gott ist ja Mensch geworden für Sie und für mich. Gott will nun auch wieder neu Mensch werden in Ihnen und in mir und durch Sie und durch mich für andere. So gilt diese Botschaft der Heiligen Nacht, so gilt dieser Anruf Gottes heute jedem einzelnen von uns ganz persönlich. Zwar ist es wahr: Gottes Sohn wurde nur einmal Mensch. Aber seit er gesagt hat: „dies ist mein Leib, dies ist mein Blut“ – seit er gesagt hat, „tut dies immer wieder neu zum Gedenken an mich“, seit er gesagt hat, „ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ – seitdem ist es wahr, dass er immer – auch jetzt – kommt, dass er im Kommen, im tieferen, im Näher-Kommen da ist! Er ist da, um erkannt, anerkannt und geliebt zu werden und das von jedem einzelnen von uns persönlich, von Ihnen und von mir. Daher ist Erlösung nicht nur etwas Fertiges, das sich bereits ereignet hat; nein, Erlösung geschieht jetzt, geschieht im Hier und Heute, geschieht immer neu. Denn „allen, die ihn aufnahmen…“ (Joh 1,12) – Und allen, „die ihn aufnehmen“ – und zwar jetzt – so sagt es die heilige Edith Stein, „denen gibt er Licht und Frieden“. Und dieses Licht, das Licht der Weihnacht, zerbricht unser Dunkel, in unseren Herzen wird es hell, denn Gott ist da. Dieses Licht will, und nur dieses Licht kann in uns Raum schaffen, damit ER Einlass findet in uns, in Welt und Zeit. Ich wiederhole mich: Weihnachten feiern ist nur möglich mit Jesus; ansonsten ist es leer, macht unzufrieden und Menschen sind froh, dass der Zirkus nach ein paar Tagen endlich vorbei ist.

Ja, Schwester und Brüder, lassen wir uns doch vom Kind in der Krippe anschauen, lassen wir uns läutern, reinigen und sprengen, damit jeder von uns dieser neue Mensch wird. Dieser neue Mensch, der mit nichts und niemand allein bleibt, sondern Jesus dazu lässt, hineinlässt in das ganze Leben. Denn Menschwerdung möchte uns auch sagen: Nimm dein Leben an so wie es ist, es ist ein Geschenk Gottes – auch jetzt! Denn wenn wir Weihnachten, dieses Fest der Erlösung feiern, dann feiern wir im Grunde das Fest des persönlichen Geliebt- und Angenommenseins. Dabei strahlt uns dann auf: Ich sehe Gott, der mich liebt! Und so werden wir dann auch fähig, in allem Gottes Angesicht zu schauen, in den kleinsten Dingen unseres Alltags, in Freud und Leid, dass wir durch alles hindurchschauen und in allem IHN entdecken dürfen. Dann geben wir den Dingen wieder ihren eigenen Raum, ihre Bestimmung, zu der sie uns geliehen wurden; dann werden unsere Begegnungen miteinander zu Gotteserfahrungen, weil wir seine Liebe in uns lebendig werden lassen. So kann dann Weihnachten tatsächlich das Fest der Liebe, der Freude und des Friedens für uns alle sein und werden.

Liebe Mitchristen, dieser Gott geht abseits der konventionellen Wege. Ein Übermensch wurde erwartet. Ein Herrscher sollte kommen; aber Gott kam als ein kleines Kind; er kam als Bruder für die Gescheiterten und Verfolgten. Damit strahlt ein besonderes Licht herein in unsere Welt. Hinein in die Trümmer von Häusern und Wohnungen unserer Tage, gar nicht weit weg von uns. Es ist ein Hoffnungslicht etwa für die Menschen in der Ukraine, in Syrien, in Äthiopien und vielen anderen Teilen der Welt. Es ist ein Licht, das wärmt. Und dann fangen wir auch an zu verstehen, was der Mensch ist, wer Gott ist, was er mit uns Menschen vorhat. Der Mensch schuldet dem Menschen Respekt, weil Gott alle nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen hat. Und solchen Respekt kündigen die Menschen einander auf, nur weil einer größenwahnsinnig geworden ist. Sie verachten sich, beschimpfen und bedrohen sich, gehen mit Waffen aufeinander los, vertreiben und vernichten Städte, Häuser, Menschenleben. Und damit schulden sie auch Gott keinen Respekt. Wo ist nur die wahre Liebe dieser Menschen geblieben?

Wenn wir auf das neugeborene Kind in der Krippe schauen, können wir wieder lernen, größer und wahrer vom Menschen zu denken; können wir lernen, wieder einander mit mehr Respekt und Liebe zu begegnen und damit können wir wieder Friede in uns einkehren lassen, können wir fähig werden, Frieden einander zu schenken in Ehe und Familie, in unserer Ordensgemeinschaft, in der Pfarrgemeinde, in der Kirche insgesamt und damit Frieden in aller Welt. Dieses neugeborene Kind in der Krippe, dieser Jesus, Sohn Marias und Josefs wird erweisen, dass für den Menschen nie alles verloren ist. Ja, dass sogar Einsamkeit, Verzweiflung, Angst, Trauer und Tod zu überwinden sind.

Auch wir können mit dem Weihnachtsfest 2022 wieder eine neue persönliche Zeit anbrechen lassen; eine Zeit der Liebe und des Friedens in uns und um uns herum, geschenkt vom Kind in der Krippe.

Und das nicht nur für die kurze Weihnachtszeit im liturgischen Kalender, sondern weit darüber hinaus. Dazu sind wir als Christen berufen und gesandt. Allerdings sind wir Christen sehr in Gefahr, „uns kulturell wie auch religiös selbst zu verleugnen. Das Kreuz abzuhängen, es auf den privaten Raum zu beschränken oder es zu verstecken, kommt einer Kapitulation gleich.“ So schrieb einmal Kardinal Kasper in einem Zeitungsbeitrag. Und weiter meinte er: „Damit werden wir nicht Achtung, sondern Verachtung der Andersgläubigen ernten.“ … „Wir sitzen gegenwärtig einem falschen, um nicht zu sagen einem schwächlichen und feigen Verständnis von Toleranz auf.“ Toleranz bedeute „Respekt und Achtung vor der Überzeugung anderer, nicht Verzicht auf die eigene Überzeugung“… „Die Vermischung verschiedener Religionen ist nicht Achtung, sondern Missachtung des anderen. Sie verleugnet nicht nur den eigenen Glauben, sondern veranlasst auch den anderen, seinen Glauben zu verleugnen“, so schrieb Kardinal Kasper in seinem Beitrag weiter. Wir brauchen keine Verwässerung des christlichen Glaubens durch Anpassung, sondern wir brauchen einen Neuaufbau christlicher Lebenskultur, die ausstrahlt. Und dies beginnt bei einem jeden einzelnen von uns.

Schwestern und Brüder, in der dunkelsten Nacht wird Gott Mensch, weil ein Mensch, es war Maria, Ja gesagt hat zum Anruf Gottes und weil ihr Mann Josef sie dabei tatkräftig unterstützte. Darum: fürchtet euch nicht! In dunkelster Nacht erhebt sich ein Licht, zerbrechlich und zart, so schwach, so stumm, aber imstande, seine Helligkeit stärker zu preisen als alle Mächte der Finsternis. Es ist ein Kind, das das Licht trägt. Es hebt es hoch, damit alle es sehen können und beginnen zu hoffen. Ihr kennt seinen Namen: Immanuel, Gott mit uns.

Möge dieser Gott Immanuel, liebe Mitchristen, stets mit Ihnen allen sein, ja mögen Sie alle den Mut und die Kraft haben, diesen Gott Immanuel bei sich sein zu lassen, damit Sie für IHN leben und wirken und Zeugnis ablegen können und die Welt dort, wo Sie und ich, wo wir uns bewegen, ein wenig heller wird. Denn Weihnachten hat etwas mit meiner Grundüberzeugung zu tun.

Und das ist schließlich auch mein Wunsch für Sie alle an diesem Weihnachtsfest des Jahres 2022. Nehmen Sie ihn mit nach Hause zu Ihren alten und kranken Angehörigen. Amen.

P. Ludwig Eiffler O.Carm.

 

Predigt zur Jahreswende 2022/2023

Liebe Mitchristen!

Mit dem zu Ende gegangenen Jahr 2022 ging erneut ein turbulentes Jahr zu Ende und das sowohl in weltlicher, politischer, wie auch kirchlicher Sicht. Dafür stehen Begriffe wie Missbrauch, Synodaler Weg und seit dem 24. Februar eine dramatische Zeitenwende durch den Angriff Russlands auf Befehl seines Machthabers Wladimir Putin auf den souveränen Nachbarstaat Ukraine. Damit brach nach 77 Jahren Frieden auf europäischem Boden erneut ein Krieg aus wegen eines größenwahnsinnig gewordenen Despoten, der das gute alte Zarenreich bzw. die alte Sowjetunion reanimieren will, koste es was es wolle. Dabei nimmt er die Zerstörung vieler Häuser und Wohnungen, der Infrastruktur genauso billigend in Kauf und damit die Lebensgrundlage vieler Menschen, wie auch den Tod abertausender Menschen, darunter auch viele Kinder. Und hier ist allerdings die Rolle des Moskauer Patriarchen Kyrill bemerkenswert und nur schwer, wenn überhaupt, nachvollziehbar für unser Verständnis, der den Angriff auf die Ukraine von Anfang an unterstützt und legitimiert hat. Seit den nun 311 Kriegstagen meldete er sich immer wieder mit markigen Sprüchen gegen den Westen und mit Ergebenheitsadressen an den Machthaber Putin zu Wort; ein Verhalten, das innerhalb der Orthodoxie wie auch ökumenisch zwischen Ost und Westkirche zu erheblichen Verwerfungen und auch zu Trennungen führte.

Innerkirchlich, liebe Mitchristen, sorgten bei uns Missbrauchsstudien und die Rolle führender Kirchenmänner in Deutschland in früheren Zeiten wie auch aktuell in punkto Missbrauch für Irritationen, Unverständnis, große Enttäuschung und großen Ärger. Bischöfe bieten ihren Rücktritt an. Tausende von Christen ziehen für sich die Konsequenz eines Kirchenaustritts und das so zahlreich, wie noch nie; auch in unserer Pfarrei mit insgesamt 81 Austritten, davon 47 Personen, die hier vor Ort im Alftal wohnen.

Die Synodalversammlung, das Treffen von Laien, Bischöfen und Klerikern in der deutschen Kirche, sorgt für Unmut sowohl unter den Bischöfen wie auch unter den Laien. Themen wie Sexualmoral, die Öffnung des Priesteramts für Frauen, Lockerung des Zölibats und ein anderer Umgang mit Macht wird, wie nicht anders zu erwarten, sehr kontrovers diskutiert innerhalb dieser Gruppen. Eine Vatikanerklärung zeigt Schranken und Grenzen auf. Ein Kernsatz aus dieser Erklärung lautet: „Der ‚Synodale Weg‘ in Deutschland ist nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtung der Liebe und Moral zu verpflichten.“ Beim Ad-Limina-Besuch unserer Bischöfe in Rom, im vergangenen November, wurden diese Themen, wie nicht anders zu erwarten, auch kontrovers behandelt.

Schwestern und Brüder, ich bin mir sicher, dass sowohl Kleriker wie auch Laien sich durchaus bewusst sind, wo die Grenzen sind, was innerhalb der Kirche Deutschlands an Veränderungen möglich ist und was auf weltkirchlicher Ebene besprochen und entschieden werden muss. Die deutsche Kirche ist zwar nicht der Nabel, aber es darf, wie ich meine, durchaus über strittige Themen diskutiert und schließlich die Ergebnisse auf die weltkirchliche Ebene gehoben werden, damit sie dort weiter diskutiert und vertieft werden. Allerdings, dessen muss man sich auch ganz klar bewusst sein: Die ‚Probleme‘ bei uns sind noch lange nicht die Probleme von Afrika, Lateinamerika oder Asien. Und daher muss man versuchen, sich auf kirchlicher Weltebene zusammenzusetzen, um über alle Themen dort miteinander zu sprechen. Es darf keine Denk- oder Sprechverbote diesbezüglich geben. Und dazu hat ja unser Papst Franziskus ebenfalls eine weltkirchliche Synodalversammlung einberufen, bei der über solche Themen auch gesprochen werden soll.

Schwestern und Brüder, das zu Ende gehende Jahr hat in vielerlei Hinsicht Scherben hinterlassen. Es gilt nun, diese im neuen Jahr 2023 zu kitten versuchen, einander anzuhören, einander zuzuhören und besser zu verstehen lernen und den Blick durchaus nach vorne zu richten und das mit einem gläubigen und hörenden Herzen auf das menschgewordene Wort Gottes, die Botschaft Jesu. Das ist die Wurzel oder das sind die Wurzeln, aus denen wir unsere Nahrung holen für unseren Weg als Christen im Hier und Heute. Es gilt, den Geist Gottes zu erkennen suchen, was dieser für unsere Kirche heute will, sich nach IHM auszurichten und mit IHM zu leben und zu wirken. Dabei wäre es sehr wichtig, nicht nur Nabelschau bei uns zu halten, sondern den Blick zu weiten, hin auf unsere Schwestern und Brüder in anderen Ländern und Regionen zu richten, um zu erfahren, wie dort Glaube gelebt wird, wie dort aus dem Glauben heraus, der ja die Grundlage für alles Tun sein soll für uns Christen, gehandelt wird.

Und das, liebe Mitchristen, gilt nicht nur für die großen Themen, sondern vielmehr gerade auch für das je persönliche Leben in Ehe und Familie, in der Ordensgemeinschaft, in der Pfarrgemeinde, in der Kirche vor Ort. Hier sollten wir aus der Wurzelbezogenheit heraus uns gegenseitig immer mehr Stütze und Halt sein in Freud und Leid, Trauer, Angst und Tod. Nur so können wir sozusagen eine verschworene Gemeinschaft von Menschen sein, die aus der Mitte heraus, vom menschgewordenen Gott Jesus, ihr persönliches Leben gestalten, um dann schließlich füreinander zu leben und zu wirken. Es gilt, etwa die Nachbarschaftshilfe stets zu stärken und zu vertiefen; Kirche vor Ort zu leben, damit auch Menschen, die sich schwer tun mit der Kirche und oft nur „die da oben sehen“, vor ihrer Haustür erfahren, dass es da unten auch noch Menschen gibt, die sich aus ihrem Glauben heraus für andere interessieren, ihnen helfen, sie unterstützen in ihren Schwierigkeiten und Problemen und das innerhalb der Kirche. Das ist Kirche, und genau das muss Kirche Hier und Heute bewirken. Sie ist mehr als nur ein Gebäude aus Stein, mehr als nur „Rotkäppchen“. Kirche sind alle, die herausgerufen wurden durch die Taufe und die Firmung zu neuem Leben und Handeln, zur Erfahrbarmachung von Glauben, Hoffnung und Liebe in einer Welt voller Unfrieden, Neid und Hass.

Ich wünsche Ihnen und mir selbst, dass es uns immer mehr gelingt, mit Gottes Hilfe im neuen Jahr 2023 zu solchen Menschen zu werden und wir schließlich den Mut und die Kraft haben, so wie Maria, uns vertrauensvoll umwandeln zu lassen von IHM. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Beginn des neuen Jahres 2023 und darin Gottes Geleit und Segen auf die Fürsprache Mariens für alle Tage des neuen Jahres. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.