Johannes 9,39
Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden.
"Jesus ist nicht in die Welt gekommen, damit die Menschen frommer, sondern, damit die Frommen menschlicher werden" Dieser Satz wird dem Theologen Paul Zulehner zugeschrieben. Wenn man die Reaktion der Schriftgelehrten und Pharisäer auf die Heilung des Blindgeborenen liest, wird deutlich, was Johannes an den Frommen und Gottesfürchtigen Zeitgenossen Jesu kritisiert: das strikte Einhalten religiöser Regeln ohne Liebe und Barmherzigkeit gegenüber denen, die ihrer bedürfen, ist hohl und letztlich gottlos. Wahre Frömmigkeit zeigt sich in menschlicher Zuwendung, die Nähe schafft und not-wendige Hilfe leistet. Gott wird in Jesus und seinem Handeln erfahrbar, in seiner Mensch-Werdung, die sich gütig, barmherzig und dem Nächsten zugewandt erweist. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." sagt Erich Kästner. Religiöse Regeln mögen noch so richtig und bedeutsam sein, ohne die Liebe zu dem, der durch Angesehen-werden Ansehen erhält, bleiben sie letzlich Schall und Rauch!
Aloys Perling
Pastoralreferent
