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Impuls zum 15.3.26

Johannes 9,39
Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden.

"Jesus ist nicht in die Welt gekommen, damit die Menschen frommer, sondern, damit die Frommen menschlicher werden" Dieser Satz wird dem Theologen Paul Zulehner zugeschrieben. Wenn man die Reaktion der Schriftgelehrten und Pharisäer auf die Heilung des Blindgeborenen liest, wird deutlich, was Johannes an den Frommen und Gottesfürchtigen Zeitgenossen Jesu kritisiert: das strikte Einhalten religiöser Regeln ohne Liebe und Barmherzigkeit gegenüber denen, die ihrer bedürfen, ist hohl und letztlich gottlos. Wahre Frömmigkeit zeigt sich in menschlicher Zuwendung, die Nähe schafft und not-wendige Hilfe leistet. Gott wird in Jesus und seinem Handeln erfahrbar, in seiner Mensch-Werdung, die sich gütig, barmherzig und dem Nächsten zugewandt erweist. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." sagt Erich Kästner. Religiöse Regeln mögen noch so richtig und bedeutsam sein, ohne die Liebe zu dem, der durch Angesehen-werden Ansehen erhält, bleiben sie letzlich Schall und Rauch!

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 8.3.26

Exodus 17, 2-3
Da geriet es mit Mose in Streit und sagte: Gebt uns Wasser zu trinken! Mose antwortete ihnen: Was streitet ihr mit mir? Warum stellt ihr den HERRN auf die Probe? Das Volk dürstete dort nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Söhne und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?

Der Auszug aus Ägypten ist eine Wüstenwanderung und kein netter Ausflug ins gelobte Land. Die Begeisterung nach der Rettung am Schilfmeer, die Verehrung Jahwes und das Vertrauen in Moses schwinden mit Hunger und Durst. Selbst die Erinnerung an die Rettung vor der Streitmacht des Pharao reicht nicht aus, um auf Gott zu vertrauen, als die Lage in der Wüste lebensbedrohlich wird. Wie undankbar das Volk doch ist! Es wäre lieber in der Sklaverei bei vollen Fleischtöpfen geblieben, als in Freiheit zu verdursten. Freiheit ist doch auf jeden Fall der Unfreiheit vorzuziehen! Vor einem allzu schnellen Urteil über das murrende Volk sollte man sich selbst fragen, in welchen Situationen Unmut, Ärger und Unzufriedenheit das eigene Handeln bestimmen. Der Weg zu mehr Freiheit ist oft mühsam und anstrengend. Unterwegs braucht es Vergewisserung, ob der Grund, die Mühen auf sich zu nehmen, noch verlässlich ist. Vielleicht braucht es dazu "Massa und Meriba" - Probe und Streit. Vor allem braucht es die Erfahrung, dass Gott ein verlässlicher Begleiter ist, auf dessen Hilfe man vertrauen kann.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 1.3.26

Genesis 12, 2-3
Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.

Gott ist nicht nett, Gott ist verlässlich! Seine Segenszusage an Abraham lädt ein, der Verheißung einer großen Zukunft zu vertrauen und fordert zugleich heraus, ein Wagnis einzugehen, sich auf einen unbekannten Weg zu machen. Dabei werden Segen und Fluch in einem Atemzug genannt.Das mit dem Segen hört sich gut an. Dagegen ist die Drohung mit dem Fluch irgendwie störend und irritierend. Segen steht für gelingendes Leben. Fluch bedeutet ernsthafte Konsequenzen für denjenigen, der dem Gesegneten nicht gut gesinnt ist. Die Gabe des Segens, aus dem Leben wächst, ist ihm so wichtig, dass er dem Gesegneten auch seinen Schutz zusagt. Das ist Teil der Verheißung und der Herausforderung, sich ins Unbekannte aufzumachen.  Gott, der ein Gott des Lebens ist, will ernstgenommen werden. Er kann geben und nehmen. Das gehört zu der Verheißung und auch zu der Herausforderung, sich ins Unbekannte aufzumachen. Gesegnet werden und zum Segen für andere werden - für alle Menschen -  gehören ebenfalls zusammen. Zur Zeit Abrahams genauso, wie für uns heute.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 22.2.26

Genesis 2,7
Da formte Gott, der HERR, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.

Wer oder was ist der Mensch? Diese Frage bewegt Menschen von alters her, man könnte sagen, seit sie über sich selbst nachdenken können. Die Bibel bietet in der Schöpfungsgeschichte eine Beschreibung, die, trotz ihrer Kürze, über das "Was" und "Wer" hinausgeht. Das lebendige geistbegabte Wesen aus Leib und Seele wird von Gott geschaffen. So wird der Mensch zu einem Wesen, nur wenig geringer als sein Schöpfer, wie es in Psalm 8 steht. Durch den Staub vom Erdboden ganz eng mit der Schöpfung verbunden und ganz eng mit Gott, der ihm seinen Atem einhaucht. Von Anfang an gibt es die Verbindung, ein Teil der Schöpfung zu sein und die Beziehung zu Gott, der lebendig macht. Ein Segen und eine ständige Herausforderung zugleich - Anteil am Göttlichen zu haben und dadurch soviel Freiheit zu genießen, die verführbar, herrschsüchtig, hochmütig, gierig, selbstgerecht machen kann und sich von der Beziehung zu Gott und seinem Segen abzuwenden. Im Matthäusevangelium zeigt Jesus, was helfen kann, den Versuchungen entgegenzutreten: mit Gott in Beziehung zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass er den Menschen beides gegeben hat: Freiheit und Orientierung.

Aloys Perling
Pastoralreferent