Matthäus 30-31
Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Achterbahnfahrt der Gefühle, so nennt man es wohl, wenn Euphorie und Verzweiflung sich unmittelbar ablösen. Das erlebt Petrus, als er dem Ruf Jesu folgt und bei Sturm aus dem Boot aussteigt. Er ist wohl zutiefst überzeugt, dass es über das Wasser auf Jesus zugehen kann. Aber, wie das Spirchwort schon sagt: Wasser hat keine Balken. Das erfährt auch Petrus, der in dem Getöse des Sturms unterzugehen droht und nach Hilfe schreit. Es hat mich schon immer irritiert, dass Jesus ihn dann einen Kleingläubigen nennt. Ist das nicht zu hart geurteilt gegenüber dem, der als Einziger das Boot verlässt, um auf dem Wasser zu Jesus zu gelangen? Vielleicht geht es ja darum deutlich zu machen, dass Enthusiasmus alleine nicht ausreicht, um in den Stürmen und dem Chaos der Welt zu bestehen. Wenn es drunter und drüber geht, müssen wir auch damit rechnen, dass an die Stelle unseres Vertrauens, das uns trägt, der Zweifel tritt, der ein schwankender Boden ist. Glaube und Zweifel sind wohl Brüder, wie der Theologe Tomas Halik schreibt. Unser Vertrauen muss stetig wachsen, wenn es tragen soll und an unserem Zweifel müssen wir nicht ver-zweifeln. Davon immerhin ist Petrus überzeugt, wenn er ruft "Herr, rette mich!" Das ist alles andere als ein Zeichen von Schwäche.
Aloys Perling
Pastoralreferent
