Jesaja 42, 2-3
Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht.
Wer schreit hat Unrecht - hieß es einmal. Von wegen! Die gewalttätigen Schreihälse unserer Tage nehmen sich das Recht des Stärkeren und treten die Schwächeren mit Füßen. Himmelschreiendes Unrecht geschieht Tag für Tag. Wer wollte da auf Dauer widerstehen! Die Resignation lockt und greift um sich. Wer sollte daraus den Menschen, die sich ja eigentlich nicht damit abfinden wollen, einen Vorwurf machen? Doch statt zu resignieren wäre es an der Zeit, die Zusage Gottes, die es schon vor über zweieinhalb tausend Jahren gibt, in all dem sellbstgefälligen Lärm nicht zu überhören. Der, der nach dem Wort des Propheten das Recht als Gottes Gerechtigkeit bringt, lärmt nicht. Er macht auf sich aufmerksam durch Behutsamkeit. Er ist aufmerksam auf das, was noch nicht erloschen ist und auf das, was Schaden genommen hat, aber nicht zerbricht. In dieser Behutsamkeit liegt die Botschaft, nicht zu verzagen, auch wenn das Unrecht und die Gewalt bedrohlich geworden sind. Daran zu glauben ist herausfordernd, genauso wie die gegenwärtige Situation.
Aloys Perling
Pastoralreferent
