Zum Inhalt springen

Impuls zum 9.8.26

Matthäus 30-31
Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Achterbahnfahrt der Gefühle, so nennt man es wohl, wenn Euphorie und Verzweiflung sich unmittelbar ablösen. Das erlebt Petrus, als er dem Ruf Jesu folgt und bei Sturm aus dem Boot aussteigt. Er ist wohl zutiefst überzeugt, dass es über das Wasser auf Jesus zugehen kann. Aber, wie das Spirchwort schon sagt: Wasser hat keine Balken. Das erfährt auch Petrus, der in dem Getöse des Sturms unterzugehen droht und nach Hilfe schreit. Es hat mich schon immer irritiert, dass Jesus ihn dann einen Kleingläubigen nennt. Ist das nicht zu hart geurteilt gegenüber dem, der als Einziger das Boot verlässt, um auf dem Wasser zu Jesus zu gelangen? Vielleicht geht es ja darum deutlich zu machen, dass Enthusiasmus alleine nicht ausreicht, um in den Stürmen und dem Chaos der Welt zu bestehen. Wenn es drunter und drüber geht, müssen wir auch damit rechnen, dass an die Stelle unseres Vertrauens, das uns trägt, der Zweifel tritt, der ein schwankender Boden ist. Glaube und Zweifel sind wohl Brüder, wie der Theologe Tomas Halik schreibt. Unser Vertrauen muss stetig wachsen, wenn es tragen soll und an unserem Zweifel müssen wir nicht ver-zweifeln. Davon immerhin ist Petrus überzeugt, wenn er ruft "Herr, rette mich!" Das ist alles andere als ein Zeichen von Schwäche.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 2.8.26

Jesaja 55,2
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen!

Man kann in unserer Gesellschaft gut leben ohne Gott und Glauben, aber nicht ohne Geld und ohne Recht. So hat ein Gesellschaftswissenschaftler unserer Tage beschrieben, worauf es ankommt um zu überleben. Wer wollte das bezweifeln?! Der Prophet Jesaja tut das für seine Zeit. Auch damals scheinen Geld und Zahlungsfähigkeit schon eine hohe Bedeutung gehabt zu haben. Dagegen setzt das Prophetenwort andere Maßstäbe. Er stellt in Frage, dass Geld und der Lohn der menschlichen Mühen wirklich satt machen. Modern verstanden könnte man sagen, es lohnt sich nicht, Ressourcen bzw. "sauer verdientes Geld" für Bedürfnisse einzusetzen, die nicht wirklich nachhaltig Erfüllung bringen. Das Geld, und das, was man sich dafür leisten kann, wird vergöttlicht und macht doch nicht satt. Worauf es wirklich ankommt: in Beziehung zu Gott zu leben, gerecht zu handeln und barmherzig zu sein - zu anderen und zu sich selbst. Die Quelle des Lebens muss woanders gesucht und hoffentlich gefunden werden. Es mag stimmen, das wir heute nicht ohne Geld und ohne Recht leben können, aber ohne Glaube und eine Beziehung zu Gott wohl auch nicht.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 26.7.26

1. Buch Könige 3, 9, 11-12
Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! (...) Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast (...) um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.

König Salomos Weisheit ist sprichwörtlich. Er ist demütig und klug genug, um Gott als unerfahrener König darum zu bitten, Gutes von Bösem unterscheiden zu können. Es geht ihm nicht um Macht, sondern um die Fähigkeit, mit Recht und Gerechtigkeit zu regieren. Darin unterscheiden es sich, schlau zu sein oder klug. Klugheit ist die Grundlage der Weisheit. Weisheit erwirbt man nicht auf Knopfdruck. Um sie zu erlangen, sind kluges Handeln, das Bewusstsein, dass man nicht alles aus sich heraus erreichen kann und Lebenserfahrung notwendig. Sie ist kein Instant-Produkt, kein Fertigprodukt, kein Fastfood, sondern braucht Zeit und Geduld, einen langen Atem und die Bereitschaft gut hinzuhören. Weise Menschen tun sich und anderen gut, weil sie tiefer sehen, genauer hinhören und im Herzen verstehen, nicht nur mit ihrem Verstand. Diesen Gedanken greift Saint-Exupéry im "Kleinen Prinzen" auf, wenn er den Fuchs sagen lässt: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Weisheit macht das Wesentliche  sichtbar.

Aloys Perling
Pastoralreferent