Matthäus 18,22-23
Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.
Vergebung ist angesichts der Unvollkommenheit der Menschen, die aneinander schuldig werden und auch wegen der Bosheit, mit der sie sich zeitweilig begegnen, unverzichtbar. Die Alternative dazu wären endlose Schuldverstrickungen und eine spirale aus Rache und Gewalt. Siebzigmal siebenmal ist deshalb auch kein berechnetes Konto, dass nach 490 Vergebungen voll ist, sondern die Aufforderung, grundsätzlich vergebungsbereit zu sein. Das ist nicht immer leicht. Jede, die schon einmal Unrecht erlitten hat, weiß das nur zu gut. Aber nur so kann das Gute in der Welt Raum gewinnen und sich gegen Böses durchsetzen. Jesus wählt nicht zufällig ein Reich Gottes-Gleichnis, um das ansichtig zu machen. Gott ist zur Vergebung bereit, also sollen es die Menschen untereinander ebenfalls sein. Wie wichtig ihm das ist, zeigt, dass die Vergebungsbereitschaft im Vaterunser gebetet wird: wie auch wir vergeben denen, die an uns schuldig geworden sind. Was das Reich Gottes bedeutet, verstehen wir auch über die Praxis der Vergebung. Wo es schon sichtbar wird: wenn Menschen einander vergeben können.
Aloys Perling
Pastoralreferent
