1. Buch Könige 3, 9, 11-12
Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! (...) Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast (...) um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.
König Salomos Weisheit ist sprichwörtlich. Er ist demütig und klug genug, um Gott als unerfahrener König darum zu bitten, Gutes von Bösem unterscheiden zu können. Es geht ihm nicht um Macht, sondern um die Fähigkeit, mit Recht und Gerechtigkeit zu regieren. Darin unterscheiden es sich, schlau zu sein oder klug. Klugheit ist die Grundlage der Weisheit. Weisheit erwirbt man nicht auf Knopfdruck. Um sie zu erlangen, sind kluges Handeln, das Bewusstsein, dass man nicht alles aus sich heraus erreichen kann und Lebenserfahrung notwendig. Sie ist kein Instant-Produkt, kein Fertigprodukt, kein Fastfood, sondern braucht Zeit und Geduld, einen langen Atem und die Bereitschaft gut hinzuhören. Weise Menschen tun sich und anderen gut, weil sie tiefer sehen, genauer hinhören und im Herzen verstehen, nicht nur mit ihrem Verstand. Diesen Gedanken greift Saint-Exupéry im "Kleinen Prinzen" auf, wenn er den Fuchs sagen lässt: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Weisheit macht das Wesentliche sichtbar.
Aloys Perling
Pastoralreferent
