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Impuls zum 13.9.26

Matthäus 18,22-23
Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.

Vergebung ist angesichts der Unvollkommenheit der Menschen, die aneinander schuldig werden und auch wegen der Bosheit, mit der sie sich zeitweilig begegnen, unverzichtbar. Die Alternative dazu wären endlose Schuldverstrickungen und eine spirale aus Rache und Gewalt. Siebzigmal siebenmal ist deshalb auch kein berechnetes Konto, dass nach 490 Vergebungen voll ist, sondern die Aufforderung, grundsätzlich vergebungsbereit zu sein. Das ist nicht immer leicht. Jede, die schon einmal Unrecht erlitten hat, weiß das nur zu gut. Aber nur so kann das Gute in der Welt Raum gewinnen und sich gegen Böses durchsetzen. Jesus wählt nicht zufällig ein Reich Gottes-Gleichnis, um das ansichtig zu machen. Gott ist zur Vergebung bereit, also sollen es die Menschen untereinander ebenfalls sein. Wie wichtig ihm das ist, zeigt, dass die Vergebungsbereitschaft im Vaterunser gebetet wird: wie auch wir vergeben denen, die an uns schuldig geworden sind. Was das Reich Gottes bedeutet, verstehen wir auch über die Praxis der Vergebung. Wo es schon sichtbar wird: wenn Menschen einander vergeben können.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 30.8.26

Matthäus 16, 25-26a
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?

Einem Börsenmagnaten, wohl einem der reichsten Männer der Welt, wird der Satz zugeschrieben: Der eigentliche Krieg, der weltweit stattfindet ist der Krieg der Reichen gegen die Armen. Ich versichere Ihnen, diesen Krieg werden wir, die Reichen, gewinnnen. Wenn die Statisken, die über die Verteilung des Reichtums korrekt Auskunft geben, stimmen, ist an dieser, im Brustton der Überzeugung ausgesprochenen Prophezeiung gewiss etwas dran. Jesus setzt solcher menschlichen Überheblichkeit eine andere Prophezeiung entgegen: selbst wenn jemand die ganze Welt gewinnt, oder anders gesagt, Macht und Geld hat, zu bestimmen, wo es lang geht und der entscheidet wer gut leben kann und wer stirbt, büßt sein Leben ein und kann es um keinen Preis der Welt zurückkaufen. Macht und Reichtum retten letztlich kein Leben. Das Leben, das über die paar Jahre irdischen Daseins hinausreicht, ist nicht käuflich zu erwerben, sondern kann nur gefunden werden. Wo? In der Nachfolge Jesu auf dem Weg von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Mitgefühl. Sich anrühren lassen und helfend tätig werden angesichts der Armut und Benachteiligung derer, gegen die andere "Krieg führen". Übrigens: bei der Frage, welche dieser beiden Prophezeiungen letztlich die Oberhand behält, gibt es keine Zuschauer*innen.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 23.8.26

Matthäus 16,17-18
Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Der Jünger Simon Barjona bekommt hier den Beinamen, der künftig als sein Name gilt: Petrus, griechisch "Petros", der Fels. Auf einen solchen Felsen wird Jesus die Gemeinschaft derer bauen, die sich an ihn und seine Taten, seine Botschaft, seine Gottverbundenheit, seine Entschiedenheit im Einsatz für Benachteiligte erinnern und in seine Nachfolge eintreten. Wie wackelig dieser Fels, der eigentlich für Standfestigkeit, Stabilität, Verlässlichkeit steht, ist, wird daran deutlich, dass ausgerechnet Simon Barjona diesen Ehrentitel bekommt. Offenbar ist es ein Kennzeichen der Kirche, von Beginn an, dass da nicht so sehr das "Haus voll Glorie" oder die hehre "Stadt auf dem Berge" im Blick ihres Gründers ist. Es ist eher eine  Gemeinschaft von Menschen, die sich ihrer Schwächen und Unzulänglichkeiten bewusst sein darf und nicht in erster Linie auf ihre eigenen vermeintlichen Stärken trauen sollte, sondern auf die Verheißung, dass sie und ihr Handeln sich der Boshaftigkeit in der Welt nicht beugen müssen, noch Angst davor haben müssen. Gott steht dafür ein, dass das Unvollkommene und Fehlerbehaftete in der Kirche den Widrigkeiten Stand halltenbb wird. Nicht aus eigener Kraft, aber mit der Zuversicht, dass es letztlich stark genug ist zu bestehen.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 16.8.26

Matthäus 15, 23b-24
Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her! Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. 

Wir und die anderen! Die Spaltung in vielen Gesellschaften, auch in unserer, greift offenbar immer mehr um sich. Da "wir" gut sind, die richtigen Werte und Überzeugungen haben, können die "anderen" doch nur falsch liegen, was ihre Orientierungen und Lebensentwürfe betrifft! Diese Abgrenzungen führen zu einer einer "Oben-Unten-Einteilung", die es scheinbar leichter macht, sich der richtigten Seite zuzuordnen und sich üb erlegen zu fühlen Und was ist jetzt das? Auch Jesus tifft eine Unterscheidung, wem seine heilbringende Botschaft zukommt und wem nicht. Zunächst will er die Frau, die ausländisch und andersgläubig ist, abwimmeln. Ziemlich von oben herab. Erst ihre Beharrlichkeit bringt ihn dazu sich anders zu besinnen. Er lernt durch das Verhalten der Frau dazu. Er ist offenbar lernfähig. Dieses Innehalten, auf Augenhöhe zu gehen, sensibel für die "anderen" zu werden ist allen zu wünschen, die meinen mit ihrer "Wir-Überzeugung" schon immer auf der richtigen Seite zu stehen und meinen, nicht mehr lernen zu müssen. Es wäre doch spannend zu erfahren, was ich alles noch nicht weiß und entdecken kann, wenn ich die Perspektive wechsle.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 9.8.26

Matthäus 30-31
Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Achterbahnfahrt der Gefühle, so nennt man es wohl, wenn Euphorie und Verzweiflung sich unmittelbar ablösen. Das erlebt Petrus, als er dem Ruf Jesu folgt und bei Sturm aus dem Boot aussteigt. Er ist wohl zutiefst überzeugt, dass es über das Wasser auf Jesus zugehen kann. Aber, wie das Spirchwort schon sagt: Wasser hat keine Balken. Das erfährt auch Petrus, der in dem Getöse des Sturms unterzugehen droht und nach Hilfe schreit. Es hat mich schon immer irritiert, dass Jesus ihn dann einen Kleingläubigen nennt. Ist das nicht zu hart geurteilt gegenüber dem, der als Einziger das Boot verlässt, um auf dem Wasser zu Jesus zu gelangen? Vielleicht geht es ja darum deutlich zu machen, dass Enthusiasmus alleine nicht ausreicht, um in den Stürmen und dem Chaos der Welt zu bestehen. Wenn es drunter und drüber geht, müssen wir auch damit rechnen, dass an die Stelle unseres Vertrauens, das uns trägt, der Zweifel tritt, der ein schwankender Boden ist. Glaube und Zweifel sind wohl Brüder, wie der Theologe Tomas Halik schreibt. Unser Vertrauen muss stetig wachsen, wenn es tragen soll und an unserem Zweifel müssen wir nicht ver-zweifeln. Davon immerhin ist Petrus überzeugt, wenn er ruft "Herr, rette mich!" Das ist alles andere als ein Zeichen von Schwäche.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 2.8.26

Jesaja 55,2
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen!

Man kann in unserer Gesellschaft gut leben ohne Gott und Glauben, aber nicht ohne Geld und ohne Recht. So hat ein Gesellschaftswissenschaftler unserer Tage beschrieben, worauf es ankommt um zu überleben. Wer wollte das bezweifeln?! Der Prophet Jesaja tut das für seine Zeit. Auch damals scheinen Geld und Zahlungsfähigkeit schon eine hohe Bedeutung gehabt zu haben. Dagegen setzt das Prophetenwort andere Maßstäbe. Er stellt in Frage, dass Geld und der Lohn der menschlichen Mühen wirklich satt machen. Modern verstanden könnte man sagen, es lohnt sich nicht, Ressourcen bzw. "sauer verdientes Geld" für Bedürfnisse einzusetzen, die nicht wirklich nachhaltig Erfüllung bringen. Das Geld, und das, was man sich dafür leisten kann, wird vergöttlicht und macht doch nicht satt. Worauf es wirklich ankommt: in Beziehung zu Gott zu leben, gerecht zu handeln und barmherzig zu sein - zu anderen und zu sich selbst. Die Quelle des Lebens muss woanders gesucht und hoffentlich gefunden werden. Es mag stimmen, das wir heute nicht ohne Geld und ohne Recht leben können, aber ohne Glaube und eine Beziehung zu Gott wohl auch nicht.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 26.7.26

1. Buch Könige 3, 9, 11-12
Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! (...) Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast (...) um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.

König Salomos Weisheit ist sprichwörtlich. Er ist demütig und klug genug, um Gott als unerfahrener König darum zu bitten, Gutes von Bösem unterscheiden zu können. Es geht ihm nicht um Macht, sondern um die Fähigkeit, mit Recht und Gerechtigkeit zu regieren. Darin unterscheiden es sich, schlau zu sein oder klug. Klugheit ist die Grundlage der Weisheit. Weisheit erwirbt man nicht auf Knopfdruck. Um sie zu erlangen, sind kluges Handeln, das Bewusstsein, dass man nicht alles aus sich heraus erreichen kann und Lebenserfahrung notwendig. Sie ist kein Instant-Produkt, kein Fertigprodukt, kein Fastfood, sondern braucht Zeit und Geduld, einen langen Atem und die Bereitschaft gut hinzuhören. Weise Menschen tun sich und anderen gut, weil sie tiefer sehen, genauer hinhören und im Herzen verstehen, nicht nur mit ihrem Verstand. Diesen Gedanken greift Saint-Exupéry im "Kleinen Prinzen" auf, wenn er den Fuchs sagen lässt: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Weisheit macht das Wesentliche  sichtbar.

Aloys Perling
Pastoralreferent