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Impuls zum 25.10.26

Matthäus 22,37-40
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Wer nur an Gesetzen und Geboten hängt, hat noch lange nicht deren tieferen Sinn erfasst. Das zu verstehen und zu leben, ist sollte gerade für die Gesetzeslehrer unabdingbar sein. Da sind sie mal wieder zu kurz gesprungen, die da meinen, wenn man alles gut auswendig gelernt hat um ja nichts falsch zu machen, erfülle man den Sinn der Gesetze. Ihre Gesetzestreue ist nicht unwichtig. Aber wenn sie dazu führt, mit den Mitmenschen lieblos umzugehen, wenn man weder den Urheber der Gesetze liebt noch die anderen, dann kann das haarscharf an dem vorbeigehen, worin ihr Sinn besteht. Daran hängt alles, was eine Religion an Lebens- und Alltagshilfe zur Verfügung stellt. Gesetze, seien sie auch noch so bedeutsam, sind eben nicht um ihrer selbst willen da. Sie brauchen einen Bezugspunkt. Für Jesus ist das die Gottesliebe und die Nächstenliebe. Wenn ich keine Liebe hätte, wäre meine Sprache und mein Reden nichts als ein dröhnender Gong oder eine lärmende Schelle,  sagt es der Apostel Paulus. Einfacher drückt es der Kabarettist Jürgen Manger aus, wenn er sagt: Das Wichtigste ist "Mensch bleiben!" Gilt für die Pharisäer damals wie für uns heute.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 18.10.26

Matthäus 22,16b-17
Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst und auf niemanden Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Was meinst du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?

Wenn man nach einem Beispiel sucht für infames Getue und Niedertracht, dann wird man bei dieser Bibelstelle fündig. Das scheinbare Bekenntnis zur grundsätzlich wahrhaftigen und eindeutigen Haltung Jesu wird von diesem ohne Umschweife als Heuchelei enttarnt. Es geht hier aber um mehr als den Versuch, mit List einem unliebsamen Menschen eine Falle zu stellen. Die Wahrheit und Wahrhaftigkeit werden als Mittel zum Zweck genutzt, damit die Dynamik der Lüge und Unwahrhaftigkeit an deren Stelle treten können. Wie war das noch mit den "alternativen Fakten", die von bestimmten politischen Kreisen an die Stelle von tatsächlichen Fakten gesetzt werden, so als sei das alles gleichwertig? Die Philosophin Hannah  Arendt nennt das "Wahrlügen": "Diese sind deshalb so gefährlich, nicht weil sie darauf abzielen, die Menschen eine Lüge glauben zu lassen, sondern darauf, dass niemand mehr irgendetwas glaubt. Ein Volk, das nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann, kann auch nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden." Jesus entttarnt das Vorgehen der "Wahrheitsmissbraucher" als Heuchelei. Der Heuchelei auf die Spur kommen, das ist heute nötiger denn je.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 11.10.26

Matthäus 22,4b-6
Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.

Nicht schon wieder ein Termin, der mich in meinen Routinen stört. Es gibt doch schon so viele Verpflichtungen! Woran soll ich denn noch teilnehmen. Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas. Im Grund geht es aber um die Frage, welche Einladung ich annehme. Was ist mir wichtig genug, dort dabei zu sein, wozu ich eingeladen werde? Habe ein Gespür dafür, damit gut umzugehen, worauf es ankommt? Was sind meine Beweggründe zuzustimmen oder abzulehnen oder so zu tun, als ginge mich das alles gar nichts an. Weil nicht alles geht und erst recht nicht gleichzeitig, brauche ich die Fähigkeit, Wichtgiges und weniger Wichtigem zu unterscheiden und dann die richtige Entscheidung zu treffen. Vielleicht gibt es sogar eine zweite Chance, wenn ich beim ersten Mal nicht verstanden habe, worum es geht. Aber irgendwann geht auch dem geduldigsten Gastgeber die Geduld aus und die Einladung geht an andere. Wozu sind wir von Gott eingeladen? Das geht in der Geschäftigkeit des Alltags häufig unter. Es könnte sich lohnen, ab und an innezuhalten und die Prioritäten zu überprüfen.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 4.10.26

Matthäus 21,41.43
Sie sprachen zu ihm: Er wird den Bösen ein böses Ende bereiten und seinen Weinberg andern Weingärtnern verpachten, die ihm die Früchte zur rechten Zeit geben.(...) Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.

Es reicht nicht, wenn ich eine Geschichte richtig deuten kann, aber die Konsequenz daraus nicht erkenne. Das geschieht, wenn ich dafür, dass ich und mein Verhalten gemeint sind, blind und unverständig bleibe. So geht es den Hohepriestern und Ältesten des Volkes Israel, denen Jesus schon so oft versucht hat, nahezubringen, dass sie nicht die Herren des Glaubens sind, sondern den Menschen dienen sollen, damit sie auf ihrem Glaubens- und Lebensweg begleitet werden; damit sie ihre Beziehung zu Gott und den Mitmenschen gestalten können. Das Reich Gottes, von dem Jesus in vielen Gleichnissen und Taten spricht, kann entdeckt werden und seine Wirkung entfalten. Jesus spircht davon, dass es Früchte trägt, wenn Menschen in seinem Sinn handeln. Es wird aber im schlimmsten Fall, denen, die es schon haben wieder weggenommen werden. Vor allem dann wenn sie es nicht als Geschenk annehmen und dankbar an seiner Gestaltung mitarbeiten. Dieses Geschenk ist nicht dazu da, es zu besitzen und für die eigene Macht zu missbrauchen Dann geht es mit Sicherheit verloren.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 27.9.26

Matthäus 21,31
Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.

Jesus teilt - mal wieder - deftig aus. Wie so häufig, wenn es um Heuchelei und Hochmut geht. Der Vergleich muss für die Hohenpriester und Ältesten des Volkes äußerst provokativ und beleidigend geklungen haben. Den Anführern der Religion und Garanten der Rechtgläubigkeit wird prophezeit, dass diejenigen, auf die sie von oben herab schauen, weil sie Sünderinnen und Sünder sind, eher in das Gottesreich gelangen, als sie selbst. Deutlicher kann Jesus es kaum ausdrücken, worauf es ankommt, Gottes Willen zu erfüllen. Was das bedeutet? Jesus nimmt die Worte Johannes des Täufers als Beispiel. Er mahnt die Menschen eindringlich, in sich zu gehen, zu erkennen, was falsch ist und umzukehren. Zöllner und Dirnen waren dazu offenbar in der Lage, weil sie sich von den Mahnungen treffen ließen. Die Verantwortlichen für die Religion und die Beziehung zu Gott sind offenbar der Überzeugung, dass sie, die selbstgerechten "Wahrheitsbesitzer", damit gar nicht gemeint sein können. In Sachen Umkehrbereitschaft könnten sie von den von ihnen verachteten Menschen viel lernen. Die Hürde ist freilich hoch, weil man den Anlauf von unten nehmen muss.

Aloys Perling
Pastoralreferent