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Impuls zum 26.4.26

Johannes 10, 10
Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Leben in Fülle - diese Verheißung müsste sich für die meisten von uns doch erfüllt haben. Wenn man das materielle Angebot in Geschäften, Katalogen, auf Internetseiten und Werbeanzeigen anschaut, wird man von der Vielzahl geradezu erschlagen. Da zeigt sich ein schier unüberschaubarer Überfluss an Dingen. Der Umsatz erbringt zig Milliarden, ein Zeichen dafür, das von den Angeboten auch reichlich Gebrauch gemacht wird. Vom Philosophen Sokrates wird erzählt, dass er fast jeden Tag über den Marktplatz in Athen ging, aber fast nie etwas kaufte. Seine Begleiter fragten ihn, warum er dann auf den Markt gehe. "Weil ich mich darüber freue, was ich alles nicht brauche" war seine Antwort. Diese Haltung kommt dem "Leben in Fülle" näher als Vielzahl und Überfluss. Was ist ein erfülltes Leben? Was ist das, was Jesus meint, weshalb er gekommen ist? Vielleicht ist Leben in Fülle in der Art und Weise zu finden, wie er Menschen begegnet ist, sie geachtet hat und aufmerksam für ihre Sorgen, Nöte und Freuden war. Leben in Fülle, für die, die ebenso handeln und für die,  deren Würde geachtet wird.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 19.4.26

1 Petrus 1,21
Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt.

"Unbegreiflich: ich hoffe!" so lautet das Leitwort der Heilig-Rock-Tage, die am Freitag in Trier begonnen haben. Hoffen können angesichts des  Irrsinns, der uns Tag für Tag in Bildern und Worten begegnet und immer mehr in unseren Alltag eingreift, ist eine massive Herausforderung. Für all diejenigen jedenfalls, die sich nicht auf die "kölsche Weisheit: Et hat noch immer jotjejange!" verlassen wollen. Gerade weil es nicht immer gut ausgeht, schon gar nicht für die Opfer von Krieg und Gewalt. Es hat etwas Unbegfreifliches, trotzdem daran festzuhalten, dass es einen Sinn gibt, auch für das eigene Handeln. Damit die Ohnmacht nicht Überhand gewinnt und wir nicht in Resignation verfallen. Dazu müssen sich Christ*innen nicht nur auf die eigenen Kräfte verlassen. Die vielen Begegnungen mit dem Auferstandenen erzählen immer wieder davon, dass der Grund der Hoffnung im Vertrauen auf Gott beruht, der Tod in Leben verwandelt. Auch wenn es, in den verrückten Gewaltausbrüchen unserer Zeit, oft nicht mehr als ein Funke ist. Unbegreiflich aber trotzdem wirkungsvoll!

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 12.4.26

Johannes 20,25
Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben.

Eine anrührende Melodie, ein Blick in den Sternenhimmel, eine tröstende Berührung ... das nennt die Religionspädagogin Kohler-Spiegel heilige Momente. Unser Glaube hat viel mit unserer sinnlichen Wahrnehmung zu tun. Was uns im Innersten berührt, stärkt unsere Überzeugungen und letztlich auch unsere religiösen Überzeugungen, das, woran wir glauben können. Der Apostel Thomas, der etwas voreilig das Etikett, der "Ungläubige" bekommen hat, braucht offenbar diese sinnlich Erfahrung, um daran glauben zu können, das der hingerichtete Jesus auferstanden ist und lebt. Das bloße "vom Hörensagen" genügt ihm nicht, um sich von dieser unglaublichen Wendung vom Tod zum Leben beeindrucken zu lassen. Jesus hat für diesen Zugang zum Glauben offenbar Verständnis. Er tadelt Thomas nicht, sondern gewährt ihm seinen Weg zum Glauben. "Selig, die nicht sehen und doch glauben" ist deshalb wohl eher keine qualitative Abstufung oder gar Herabsetzung, sondern macht die Unterschiedlichkeit deutlich, mit der Menschen ihren Weg zum Glauben finden können.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 5.4.26

Lukas 24,30-32
Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. 31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. 32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

Das vielbesagte "Brett vor dem Kopf". Die beiden Jünger sind mit Tunnelblick auf dem Weg fort von Jerusalem, dem Ort der unsäglichen Geschehnisse vom Karfreitag. Wer könnte es ihnen verdenken, dass der Schrecken und die Trauer um den Tod Jesu den Blick und den Verstand vernebeln. Auch die bibelkundigen Erklärungen ihres "zufälligen" Wegbegleiters öffnen ihnen nicht die Augen. Selbst als sie später erkennen, dass die Worte ihre Herzen brennen ließen, werden ihre Augen nicht geöffnet, um den zu erkennen, der da zu ihnen redet. Die Worte allein und die Deutehilfen des Auferstandenen erreichen ihr Ziel nicht so einfach. Sie brauchen Zeit um durchzudringen. Und es braucht die vertraute Geste des Brotbrechens beim gemeinsamen Mahl. Diese wirkt offenbar mehr als alle kundigen Erklärungen. Nicht umsonst tritt die Verbindung von Wort und Mahlhalten ins Zentrum der Versammlung der ersten Christ*innen. Es ist die Auffrischung einer Erinnerung, die unsere Augen öffnen kann, wenn unser Tunnelblick in den Schrecknissen der Zeit blind macht für die Zusage: Auferstehung heißt: es wird letztlich gut!

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 29.3.26

Jesaja, 50,4-5
GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören. GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. 

Was ist notwendig um Menschen zu trösten? Jeder Mensch, der das schon einmal versucht hat, weiß, es ist gar nicht so einfach, dass Trösten gelingt. Zu oft missraten gut gemeinte Worte zum 'Vertrösten'. Wer Trost braucht, ist höchst sensibel für das, was seine Situation trifft oder aber haarscharf daneben geht. Der Prophet, der den Auftrag hat, Gottes Volk zu trösten, erzählt von seinen Erfahrungen. Er hat gelernt, die durch ein aufmunterndes Wort zu stärken, die zu müde geworden sind, um noch Hoffnung zu haben. Er ist überzeugt, dass er nicht aus eigener Kraft  Trost zu spenden gelernt hat. Gott öffnet ihm die Ohren und gibt ihm die richtigen Worte. Das versetzt ihn in die Lage, eine, stärkende Botschaft zu verkünden. Und noch etwas: er setzt diese Fähigkeiten auch ein und nimmt die Konsequenzen in Kauf. Denn offenbar werden seine Worte nicht von allen gerne gehört. Sie provozieren Widerspruch und gewaltsame Angriffe. Jemand, der tröstet, erfährt verbale und körperliche Gewalt? Wer Gottes verkündet, muss offenbar damit rechnen - und kann darauf vertrauen, dass Gott ihn nicht verlässt.

Aloys Perling
Pastoralreferent