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Impuls zum 7.6.26

Matthäus 9, 12-13
Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das heißt: »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.« Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

 

"Wir essen Brot und leben vom Glanz!" So drückt es Pfarrer Franz Meurer aus Köln aus. Er hat erkannt, dass gerade die ärmeren und benachteiligten Menschen in seinen Pfarreien, vor allem Kinder, Erfahrungen brauchen, die ihnen deutlich machen, dass es mehr braucht, als satt zu werden und ein Dach über dem Kopf zu haben. Zum Lebensnotwendigen gehört Anerkanntsein, Ansehen, etwas wert sein in den Augen der Anderen. Ansehen verleiht Ansehen. Das tut auch Jesus, der sich über religiöse und gesellschaftliche Schranken hinwegsetzt, um Menschen, die um ihre Würde ringen müssen, Ansehen zu geben. Er setzt sich mit ihnen an einen Tisch, um Mahl zuhalten. Das ist mehr als satt werden. Das schafft Gemeinschaft, Augenhöhe, verleiht Ansehen. Gottesdienst ist zunächst Dienst an den Armen. Barmherzigkeit ist eine Form der Gottesbegegnung. Wenn sie nicht gelebt wird, wird aus Gerechtigkeit schnell Selbst-Gerechtigkeit. Jesus wird nicht müde, das seinen Kritikern zu sagen und zu zeigen.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 31.5.26

Johannes 3, 16b-17
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Rette sich, wer kann! - Ein bekanntes geflügeltes Wort, das halb scherzhaft, halb ernsthaft ausgerufen wird, wenn es mal eng wird. Sich retten heißt, schauen, wie ich mich selbst in Sicherheit bringe. Erstmal ich! Ich bin herausgefordert, meine Rettung zu bewerkstelligen. Ich bin auf mich gestellt, muss mich auf meine eigenen Kräfte und Fähigkeiten setzen, damit es mir gelingt, das rettende Ufer zu erreichen. Rette sich, wer kann! Jede/r für sich. Klingt ein wenig so wie "wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht!" Im Bibeltext gilt eine andere Logik: Gott rettet - das ist übrigens auch die Bedeutung des Namens Jeschua - Gott rettet durch seinen Sohn Jeschua, der dazu gekommen ist, Menschen zu retten, nicht zu richten. Keiner, der an ihn glaubt, der oder die darauf vertraut, dass seine Worte und Taten die Rettung bringen, wird verloren gehen. Darauf zu vertrauen ist aussichtsreicher, als sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Das konnte nur Baron Münchhausen.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 17.5.26

1 Petrus 4,13
Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.

"No pain, no glory!" Kein Schmerz, kein Ruhm! So war es auf dem Jakobsweg in Spanien einigemale zu lesen. Ich konnte diesem Spruch nie zustimmen. Im Gegenteil, ich war froh, wenn am nächsten Morgen nach einer langen Etappe, Beine und Füße so erholt waren, dass ich mich wieder entspannt auf den Weg machen konnte. Brauche ich das Empfinden von Leid, damit ich am Ende eines anstrengenden Weges freudig jubeln kann? Den Satz aus dem Petrusbrief finde ich provokant. Jesus hat sich, wann immer er dazu herausgefordert war, dafür eingesetzt, dass das Leiden von Menschen aufhörte. Leben in Fülle zu ermöglichen, war ein Kern seiner Botschaft und seines Handelns - und das nicht erst im Himmel. Dabei geht es nicht um eine Wohlfühl-Religion. Leiden, das Leben beeinträchtigt, wird weder geleugnet, noch verdrängt. Es geht darum, sich eigenem und fremdem Leiden zu stellen und damit lindernd und heilend umzugehen ohne es zu glorifizieren.

Aloys Perling
Pastoralreferent

Impuls zum 3.5.26

Johannes 14,5-6
Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Den richtigen Weg finden - kein Problem mit Navi und Google-Maps! Wir sind gewohnt auf moderne Technik zu vertrauen, um nicht in die Irre zu gehen, bei Umwegen keine Zeit zu verlieren oder etwa gar nicht anzukommen. Mit der Wahrheit wird es schon etwas schwieriger. Viele behaupten im Brustton der Überzeugung, sie gefunden zu haben für sich und alle anderen: die Wahrheit. Nur diese kann gelten, wenn es darum geht, sich zu orientieren, richtige Entscheidungen zu treffen und den Sinn des Lebens zu finden. Meine Erfahrung sagt mir, dem, was wahr ist, kann ich mich bestenfalls annähern und "haben" kann ich die Wahrheit schon gar nicht. Jesus behauptet auch nicht, dass er die Wahrheit hat. Er ist die Wahrheit. Das bedeutet, Wahrheit wird darin erkennbar, was er tut, wem er beisteht, wem er die Stirn bietet und worauf er vertraut. Erkennbar wahr für Menschen ist, was sich als wahr erweist. Das ist kein statisches Besitzen, das ist ein dynamisches Geschehen, häufig auch ein Ringen und letztlich die Bereitschaft, immer wieder auf die Suche zu gehen - und den Weg zu finden mit dem Navi Vertrauen und Glauben.

Aloys Perling
Pastoralreferent